23.6.2008

 

B U C H E M P F E H L U N G

Identität der Dunkelgräfin erneut kritisch hinterfragt

Prof. Susan Nagel (USA) veröffentlicht Biografie über Madame Royale

 

An der Vermutung, bei der Dunkelgräfin von Hildburghausen könnte es sich um die Prinzessin Marie Thérèse Charlotte von Frankreich (genannt Madame Royale) gehandelt haben, wurde in letzter Zeit immer wieder Kritik geübt. Der Mitteldeutsche Rundfunk zum Beispiel resümierte in der Dokumentation "Die vertauschte Prinzessin. Die Dunkelgräfin von Hildburghausen" (Erstausstrahlung im MDR-Fernsehen am 28.10.2007): "Marie Thérèse von Frankreich war die Dunkelgräfin also ganz sicher nicht".

Vor Kurzem erschien in den USA eine aktuelle Biografie, welche die so genannte Vertauschungsthese um Madame Royale erneut hinterfragt. Die Autorin Susan Nagel ist Professorin am Marymount Manhattan College in New York City und beschäftigt sich dort vorrangig mit der Rolle der Frauen im Zeitalter der Romantik. Nach mehreren Jahren Forschung vor allem in den USA und Frankreich hat sie eine ausführliche Darstellung des Lebens der Prinzessin vorgelegt. Das 448 Seiten umfassende englischsprachige Buch erschien im Verlag Bloomsbury in New York und trägt den Titel "Marie-Thérèse, Child of Terror. The Fate of Marie Antoinette's Daughter".

Das Buch widmet sich zunächst der offiziellen Lebensgeschichte Madame Royales, indem ihre Geburt und Kindheit in Versailles, ihre Erlebnisse während der Französischen Revolution mit der dreieinhalbjährigen Inhaftierung im Temple und schließlich die Abreise zu ihren Verwandten nach Österreich im Jahr 1795 beschrieben werden. Anschließend folgt eine Darstellung ihres Exils in Wien, Mitau und England sowie ihrer Rückkehr nach Frankreich an der Seite ihres nach dem Sturz Napoleons auf den Thron berufenen Onkels Ludwigs XVIII. Schließlich wird auf ihr erneutes Exil nach der Julirevolution 1830 sowie ihren Tod 1851 im österreichischen Frohsdorf eingegangen.

Prof. Nagel beschäftigt sich darüber hinaus mit den Gerüchten um eine Personenvertauschung der Prinzessin. Dies belegt zum einen, dass die so genannte Vertauschungsthese auch in den USA bekannt ist. Zum anderen wird deutlich, dass die Geschichte um die Dunkelgräfin von Hildburghausen keine reine Fiktion ist und sich seriöse Wissenschaftler ernsthaft damit auseinandersetzen.

Zunächst wurde versucht, einen DNA-Vergleich durchzuführen. So sollte eine Haarlocke der Madame Royale, die ihr um 1830 entnommen wurde, auf DNA-Spuren untersucht werden, um diese mit der DNA verwandter Personen der Königsfamilie zu vergleichen. Hierbei stellte sich jedoch heraus, dass die Haarprobe nach so langer Zeit keine verwertbaren DNA-Sequenzen mehr enthielt. Weitere Untersuchungen waren damit nicht möglich.

Um dennoch zu prüfen, wie glaubhaft die Theorie ist, hat die Autorin einen Vergleich der Handschriften Madame Royales durchgeführt. Im Gegensatz zu bisherigen Untersuchungen dieser Art nutzte sie dabei ausschließlich Schriftproben, die kurze Zeit vor bzw. nach der angenommenen Vertauschung der Prinzessin im Dezember 1795 entstanden. Darunter sind Dokumente, die bislang unbekannt waren.

Anhand der gewählten Schriftproben kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Schriftmerkmale der Autographen von 1794 und Dezember 1795 identisch mit denen von September 1796 und April 1804 seien, was gegen eine Personenvertauschung spricht. Zusammenfassend zieht Prof. Nagel folgendes Fazit: Die Dunkelgräfin von Hildburghausen mag eine Bourbonin gewesen sein, nicht jedoch Madame Royale.

Susan Nagel (2008):
Marie-Thérèse, Child of Terror. The Fate of Marie Antoinette's Daughter.

Bloomsbury - New York
Hardcover
448 Seiten
28,- Euro
ISBN 978-1-59691-057-7

Weitere Informationen im Internet    
Kommentare zum Buch: www.susannagelwritesabout.blogspot.com
Interview mit Susan Nagel: http://teaattrianon.blogspot.com/2008/03/interview-with-susan-nagel-about-marie.html

 

© Interessenkreis Madame Royale - Letzte Aktualisierung am 23.6.2008