
Titelbild des Nachdruckes von 2000

historische
Forschung
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Rühle von Lilienstern, Helga (1997):
Dunkelgraf und Dunkelgräfin im Spiegel von Zeugen und Mitwissern.
In: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins. Seite 57-94.
Nachdruck 1997, 2000: Schriften zur Geschichte Südthüringens. Band 2.
Verlag Frankenschwelle - HildburghausenInhalt:
Die Autorin beschreibt in ihrer Veröffentlichung das private und
geschäftliche Umfeld der Dunkelgräfin und ihres Begleiters L.C. van der Valck
und gewährt damit
einen Einblick in den Alltag des Paares im Schloss
Eishausen. Gegenstand der Darstellung sind die Dienerschaft
im Schloss sowie die Mittelsmänner,
die für den Grafen geschäftliche Vorgänge erledigten. Durch die
erstmalige Auswertung des Nachlasses von Dr. Armin Human, der 1883
und 1886 zu diesem Thema veröffentlichte, konnten neue Schriftstücke einbezogen
werden, von denen viele im Anhang abgedruckt werden.
Verlagstext des Nachdrucks von 1997:
"Die Autorin bemerkt in ihrer Arbeit: Wenn ich diesmal
versuche, das seltsame Paar durch Aussagen von Zeugen und Mitwissern
erneut unter die Lupe zu nehmen, so wende ich mich damit den
Personengruppen zu, die mit dem Grafen und vielleicht auch mit der Gräfin
in persönlichen Kontakt gekommen sind: der Dienerschaft, den Kommissionären
Andreä Vater und Sohn, dem Familienverbund Kühner-Hohnbaum-Nonne und
nicht zuletzt dem Herzogshaus.
Mit Recht gebührt der Dienerschaft unter den genannten Gruppen die größte
Beachtung, denn sie erlebte ja das Paar aus nächster Nähe. Sie hatten
alle persönlichen Kontakt mit dem Grafen, dem sie nahezu blind ergeben
waren und der sie dafür auch reichlich entlohnte. Ob der eine oder andere
auch Kontakt mit der Gräfin hatte, lässt sich nur vermuten, zugegeben
hat es niemand, jedenfalls nicht zu Lebzeiten des Grafen.
Wo er nur konnte, hat er nämlich den Bediensteten ihren Anblick entzogen,
und wenn ihm das einmal nicht gelang, dann durfte sie jedenfalls von ihnen
nicht angesehen werden. Er verstand es, seine Gefährtin mit einem Abstand
gebietenden Geheimnis zu umgeben, und wenn er sie erwähnte, sprach er
betont von 'Allerhöchst Sie' oder 'Ihre Gnaden'. Doch kann man sich wohl
kaum vorstellen, dass der Graf ihr die Haare geschnitten hat, die sie nach
Aussage von Frau Dorothea Nothnagel, Tochter des Kammerdieners Scharr und
der Köchin Weber, á la Titus getragen haben soll.
Und beim An- und Ausziehen der wertvollen Kleider nach neuester Paris Mode
wird sie auch kaum ohne Hilfe ausgekommen sein, man denke nur an die ungezählten
Haken und Ösen, Knöpfe und Druckknöpfe, mit denen diese damals unter
großem Zeitaufwand rückwärts verschlossen werden mussten. Es ist
undenkbar, dass nur der Graf ihr dabei geholfen hat, ebenso wie man sich
nur schwerlich vorstellen kann, dass sie im Haus zu jeder Zeit einen
Schleier getragen haben wird.
Eine besondere Vertrauensstellung unter der Dienerschaft nahm der alte
Scharr ein, der vermutlich schon vor dem Auftauchen des Paares in
Ingelfingen als Kammerdiener, Kutscher und Kommissionär dem Grafen zu
Diensten gewesen ist. Er regelte alles, mietete die Wohnung, besorgte die
Post, pflegte Kutschen und Pferde und leitete die übrige Dienerschaft an.
Dabei war er stets unnahbar und von abgrundtiefer Schweigsamkeit, sobald
die Sprache auf seine Herrschaft kam.
Karl Kühner beschreibt seine würdevolle Erscheinung in stets
reichbetresster Livrée und mit einem friderizianischen Dreispitz auf dem
Haupt, sein schlohweißes Haar und seine trotz seines Alters militärische
Haltung, die einen ehemaligen Soldaten vermuten ließ. Er sei für seinen
Stand von überragender Bildung gewesen und habe Kenntnisse sowohl eines
Sanitäters als auch eines Meteorologen besessen, mit denen er den
Bewohnern von Eishausen sehr nützlich gewesen sei. Nach Karl Kühners
Beschreibung scheint es fast, als habe Scharr den Kammerdiener nur
gespielt. Die Post für den Grafen war meist an ihn adressiert, auch noch
20 Jahre nach seinem Tod."
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